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Mein ParteibuchCopyleft

Tagebuch meines Parteieintritts

[Subjektiv, persönlich, parteiisch]

Schlagzeilen-Ansicht

15. September 2005

Frank Patalong (Spiegel Online) bezeichnet Mein Parteibuch als “das erste ausgewiesene politische Blog”

von @ 13:28. abgelegt unter Presseschau, Katzenbilder

Alles viel zu wichtig hat Frank Patalong, derzeit Netzwelt-Ressortleiter bei Spiegel Online, seinen gestern auf Spiegel Online publizierten Artikel über Weblogs genannt. Darin schreibt er dann über ausgesuchte und etablierte Weblogs, und verlinkt sie anständig, so zum Beispiel lautgeben, mit Geschichten, die keine sind.

Mein Parteibuch erwähnt Frank Patalong hingegen nur indirekt:

In den Top 100 findet sich das erste ausgewiesene politische Blog auf Platz 32, das in den Medien hoch prominente Lautgeben.de brachte es am 13. September mit knapp über 700 Visits gerade mal auf Platz 41.

Nachdem Kerstin Jansen am 18. August bei Spiegel Online ebenfalls im Ressort Netzwelt zwar nicht gerade freundliche Worte über mich geschrieben hat, dafür aber noch einen hübschen Link auf Mein Parteibuch gesetzt hat, verschweigt Frank Patalong bei Spiegel Online lieber den Namen des “ersten ausgewiesenen politischen Blogs”. Ist ja auch vernünftig, dass Spiegel Online diesmal nicht so komische Weblogs wie meines oder das von Carsten Dobschat hervorhebt.

Nun gut, der Lacher geht an Frank Patalong. Denn im gleichen Artikel schreibt Frank Patalong über die althergebrachte Funktion von Journalisten als Gatekeeper, die darüber wachen, welche Nachrichten veröffentlicht werden. Da schreibt Frank Patalong davon, dass Journalisten “sich als handelnde Person hinter einer Objektivität darstellenden Sprache verbergen“, dass sie “Konkurrenten bekommen, die freier reden dürfen als die meisten Journalisten in Redaktionen“. Und dennoch schreibt Frank Patalong seinen Artikel genauso vorgeblich objektiv und doch subsektiv selektiv. Inwieweit Frank Patalong dabei frei reden darf, dass mag jeder für sich entscheiden.

Eines macht mir Frank Patalong jedoch sympatisch; er in seinem Artikel hebt mit lautgeben und blogbar zwei Blogs hervor, die sich in der jüngeren Vergangenheit sehr kritisch zu Politik-Chef Claus Christian Malzahn bei Spiegel Online geäußert haben. Ein Katzenbild habe ich trotzdem übrig.

Ich will nochmal ein paar Dinge zusammenfassen, die ich an Weblogs wichtig finde:
In Weblogs wird Journalismus persönlich, Nachrichten und Kommentare kommen nicht mehr von einer anonymen Agentur wie dpa, sondern zum Beispiel von Marcel Bartels, Frank Patalong oder Claus Christian Malzahn. Leser von Weblogs können dadurch endlich auch das tun, was Journalisten selbst bei jeder Nachricht als erstes tun - oder zumindest tun sollten, nämlich die Quelle recherchieren - wer sagt das warum? Weblogs sind nicht so einfach zensierbar, kein Redaktionsleiter, kein Forumsadministrator und auch kein Jurist kann den Informationsfluß in Weblogs stoppen. Dabei sind Weblogs auch noch interaktiv, ein Leser kann durch kommentieren eine Diskussion wie in einem Forum starten oder mit einem Beitrag im eigenen Weblog auf einen anderen Beitrag eine Erwiderung schreiben. Und Weblogs sind demokratisch: alle anderen Blogger entscheiden jeder für sich, welches Weblog und welchen Beitrag sie verlinken und dadurch populär machen.

Dabei stehen die Machthaber und die klassischen Medien Weblogs gegenüber wie das Kaninchen vor der Schlange. Kann ein Mächtiger in den herkömmlichen Medien durch angestoßene Beiträge dafür sorgen, dass jemand unliebsames medial fertig gemacht wird, man denke dabei nur an die ganzen Kampagnen der Bildzeitung, so kommt man Bloggern mit dem Mittel der medialen Kampagne nicht an den Kragen. Im Gegenteil, wenn die Bildzeitung - oder Spiegel Online - welchen Unterschied macht das schon - eine Kampagne gegen einen Blogger fahren würde, würde der Blogger erst recht stark werden. Also ist ein Blogger allenfalls durch Nicht-Nennung und Nicht-Verlinkung klein zu halten, ganz so, wie Frank Patalong das in seinem Spiegel Artikel das durch Nicht-Nennung von Mein Parteibuch gemacht hat. Dummerweise funktioniert auch eine solche Zensur nur mehr schlecht als recht: lautgeben hat nach dem Link gestern bei Spiegel Online gerade mal 1300 Besucher mehr als vorgestern.

Auch juristisch ist ein Blogger nicht so leicht einschüchtern wie eine Zeitung - wer eine juristische Kampagne gegen einen Blogger fahren will, um das geschriebene zu ändern, der muß sich erstens darauf einstellen, dass die juristische Kampagne neue Aufmerksamkeit erzeugt, zweitens darauf einstellen, dass selbst wenn eine Klage gewonnen werden würde, die zu unterdrückenden Informationen woanders wieder auftauschen würden und drittens, dass der Blogger als natürliche Person womöglich auch finanziell nicht einzuschüchtern ist, wenn er ohnehin nichts hat, was pfändbar wäre. Auch Journalistenverbände wie der DJV oder Lobbyorganisationen wie die INSM bekommen die Unterdrückung von Meinungen in Blogs nicht hin.

Davon ganz abgesehen, macht bloggen manchmal natürlich auch einfach nur Spaß. Es ist schon ein besonderes Vergnügen über Profi-Journalisten - nur echt mit Rabattclub-Ausweis - zu schreiben. Und siehe, ich bin nciht der einzige, der den Artikel von Frank Patalong gelesen hat, und darüber bloggt. Unter anderem Stefan vom Blog Medienwissenschaft Trier hat ihn gelesen und verbloggt, Torsten aus Hamburg hat ihn gar ebenso wie Roland aus Bamberg kritisiert.

Kurz, Information und Meinung in Blogs läßt sich nicht von oben unterdrücken, und Spaß haben die Menschen auch noch dran; das macht sie für verlogene Machthaber in Medien und Politik so gefährlich. Vom anfänglichen Spott der Medien in dem Sinne, dass Bloggern mangels Kompetenz nichts besseres einfiele als Bilder von ihrer Katze zu veröffentlichen, ist inzwischen nichts mehr übrig. Im Gegenteil, nun wird versucht, Blogger wie mich, die offen über Wirtschaftskriminalität, über Scientology oder über verdeckte Intenet-Aktivitäten von CDU-Parteimitgliedern und Journalisten berichten und dabei auch Namen nennen, einzuschüchtern. Als Symbol dafür, mich nicht einschüchtern zu lassen, vergebe ich Katzenbilder.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass die SPD auf die Kraft der öffentlichen unzensierten Meinung in Blogs setzt, während die CDU Blogs weitgehend ignoriert. Bin mal gespannt, ob hier nun auch anonyme Kommentare kommen, die mir nun wegen dieses Artikels eine Profilneurose vorwerfen werden. :-)

2 Kommentare zum Beitrag “Frank Patalong (Spiegel Online) bezeichnet Mein Parteibuch als “das erste ausgewiesene politische Blog””

  1. media-ocean sprach

    SpOn-Bericht über Wahlblogs: Die Reaktionen

    Im Nachklapp zu dem SpOn-Bericht über Wahlblogs haben ein paar gut bekannte Blogger Großes zu sagen. Ich finde die Beiträge und vor allem die Diskussionen sehr spannend. Denn: Das was da passiert ist die reale und authentische Umsetzung dessen, was…

  2. Mein Parteibuch » Blog Archive » Google Base gestartet - Blick in die Zukunft der Kleinanzeige sprach

    […] Wer sich schon mal einen Eindruck davon machen will, wie die Job-, Auto- oder Wohnungssuche der Zukunft aussehen könnte, der sollte mal bei Google Base vorbeischauen, eine Datenbank und Suchmaschine für Kleinanzeigen und ähnliches, die vor einigen Tagen ist in den USA gestartet wurde. Das völlig kostenlose Google Base wird von einigen Beobachtern wie Frank Patalong von Spiegel Online als der Anfang vom Ende der Kleinanzeigen in Zeitungen und von kostenpflichtigen Anzeigenportalen wie Ebay gesehen. Jakblog berichtet beispielsweise, dass derzeit bereits 500.000 KfzAnzeigen drin sind und stündlich 2000 dazukommen. Weniger an einen durchschlagenden Erfolg glaubt hingegen Andreas in seinem Weblog zur Medienkonvergenz und sieht spezielle Anzeigenportale im Internet durch Google Base kaum gefährdet. Es wird in nicht allzuferner Zukunft auch damit gerechnet, dass Google Base auch auf Deutsch verfügbar gemacht werden wird. […]

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