Katze

Mein ParteibuchCopyleft

Tagebuch meines Parteieintritts

[Subjektiv, persönlich, parteiisch]

Schlagzeilen-Ansicht

17. November 2006

Menschen bei Maischberger - Mobbing-Thema vergeigt

von @ 10:45. abgelegt unter Presseschau, Mobbing, ARD

In der Sendung vom 14.11.2006 wurde in der ARD-Sendung Menschen bei Maischberger unter dem Titel “Krieg am Arbeitsplatz: Ist jedes Mittel erlaubt?” das hochinteressante Thema Mobbing am Arbeitsplatz behandelt. So gut die Idee war, so schlecht war die Umsetzung. Leider hat Sandra Maischberger es nicht geschafft, mit der Sendung dem Problem Mobbing irgendwie gerecht zu werden.

Stattdessen fühlen Mobbing-Opfer sich durch den breiten Raum, den sozialdarwinistischen Selbstdarstellern in der Sendung gegeben wurde, verhöhnt. Eine Recherche der Redaktion zum Thema Mobbing scheint nicht stattgefunden zu haben. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Mobing-Befürworter in der Diskussion Rechtswidrigkeiten wie Verstösse gegen Grundgesetz und Arbeitsschutz einem Millionenpublikum als ganz normales Verhalten darstellen konnten, ohne dass die Diskussionsleitung da lenkend eingegriffen hätte. Dass Mobbing schwer krank macht und deshalb ein Verstoss gegen die Charta der europäischen Menschenrechte ist, wurde natürlich auch nicht erwähnt.

Durch die Dominanz der fröhlichen Mobber in der Diskussion sind selbstverständlich auch nicht die volkswirtschaftlichen Schäden deutlich geworden, die Mobbing verursacht. Denn natürlich kostet jeder Mensch, der aus einem Unternehmen herausgemobbt und dabei arbeitsunfähig krank wird, die Solidargemeinschaft viel Geld, dass wir alle uns einfach dadurch sparen könnten, wenn die Mobber in den Chefsesseln der Unternehmen am Mobbing gehindert würden.

Insgesamt hat Sandra Maischberger das wirklich nicht ganz einfache Thema Mobbing, von dem in Deutschland schätzungsweise 5,5 Mio Menschen betroffen sind, leider voll vergeigt. Mehr Informationen gibt es dazu im Mobbing-Gegner Blog. (via Jörg Hensel)

12 Kommentare zum Beitrag “Menschen bei Maischberger - Mobbing-Thema vergeigt”

  1. stefan fügner sprach

    Lieber Marcel,
    Das sehe ich ganz anders. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Sendung gesehen zu haben, in der die Verrohung und Rücksichtslosigkeit unserer gesellschaft, erzeugt und dargestellt durch unsere selbsternannten “Eliten”, derart unverholen zur Schau gestellt wurde!
    Der naiv-weltfremden Frau Sandra Maischberger wurde wohl auch erst in der Sendung bewußt, auf welcher Niveaulosigkeit unsere sozial gerechte Gesellschaft angekommen ist.
    Die Sendung hat sehr anschaulich dargestellt, wohin die in Deutschland allgegenwärtige Machtausübung bei gleichzeitiger Ablehnung von Verantwortung hinführt: grenzenlose Rücksichtslosigkeit und Machtausübung zum reinen Selbstzweck.
    Das “Durchbrechen ” des Menschen, wie es der Krimonologe richtigerweise bezeichnete, wird als geduldetes Übel von unseren “Eliten” billigend in Kauf genommen.
    Schonungsloser konnte man den sittlich moralischen Verfall in unserer Arbeitswelt gar nicht darstellen, auch wenn Frau Maschberger dies gar nicht beabsichtigt hatte!

    stefan fügner

  2. Arno Y sprach

    Ich habe die Sendung nicht gesehen (wer guckt denn noch Fernsehen?), aber als ich auf der ARD-Seite das Zitat “Karrieren sind soziale Auswahlprozesse, bei denen es nun mal Verlierer und Gewinner gibt.” las, musste ich schon schmunzeln. Die Sendung hat offenbar gezeigt, dass auch Gesprächsrunden soziale Auswahlprozesse sind. Und dass diejenigen, die sich im Berufsleben nicht durchsetzen können, dies auch nicht in einer Talkshow können.

    “Denn natürlich kostet jeder Mensch, der aus einem Unternehmen herausgemobbt und dabei arbeitsunfähig krank wird, die Solidargemeinschaft viel Geld, dass wir alle uns einfach dadurch sparen könnten, wenn die Mobber in den Chefsesseln der Unternehmen am Mobbing gehindert würden.”

    Dass könnten wir uns auch sparen, wenn der Arbeitsmarkt nicht so überreguliert wäre. Denn wenn es einem Arbeitnehmer in einem Betrieb nicht passt, zB weil er mit den Kollegen nicht zurechtkommt, dann könnte er einfach kündigen und woanders anfangen. Aber weil die Gesetze den Arbeitsmarkt lähmen, muss man noch mehr Gesetze schaffen, um die Schäden zu reparieren. Wenn es dann das Anti-Mobbing-Gesetz gibt, dann wird es auch wieder irgendwelche ungewollten Konsequenzen geben, gegen die dann wieder neue Gesetze erlassen werden. Und so weiter, und so weiter…

    Die einzigen, die von der Paragraphenflut letztlich profitieren, sind die Juristen. Denn jedes Gesetz, und sei es noch so gut gemeint, hat ungewollte Folgen und schafft Gesetzeslücken. Und um so mehr Gesetze es gibt, um so mehr ist derjenige im Vorteil, der sich ein Heer von gutbezahlten Anwälten leisten kann. Dass sollten Sie, Herr Bartels, doch eigentlich am besten wissen. Aber stattdessen plädieren Sie scheinbar für ein “Anti-Abmahn-Gesetz”. Dabei sind die eigentlichen Auslöser die Einschränkungen der Meinheitsfreiheit, beispielsweise im Namen des “Persönlichkeitsschutzes”. Würde es keinen “Persönlichkeitsschutz” geben, dann würde auch niemand deswegen vor Gericht zitiert werden.

  3. Marcel Bartels sprach

    @Arno Y
    Nein, ich will um Himmels Willen zum Thema Mobbing nicht noch ein AGG.

    Das Problem der Verrechtlichung der Gesellschaft besteht meiner Ansicht nach nicht darin, dass wir zu viele Dinge gesetzlich regeln, sondern eher darin, dass wir zuwenig Freiheitsrechte in Gesetzen verankern, die wild gewordenen BGH Richtern um die Ohren gehauen werden können, wenn sie mal wieder irgendetwas zu Lasten der Freiheit entscheiden und damit eine ungesetzliche Einschränkung von Freiheitsrechten basierend auf Richterrecht schaffen.

    Die gesetzlichen Grundlagen, die wir heute gegen Mobbing haben, halte ich eigentlich für ausreichend. Allerdings denke ich, dass die Arbeitsgerichte beim Thema Mobbing die Inkompetenz der Führungskräfte, die bei Mobbing regelmäßig zum Ausdruck kommt, angemessen durch Schmerzensgelder in vernünftiger Höhe würdigen sollten. Dies ist allerdings auch auf Grundlage des geltenden Rechtes möglich.

    Das “Anti-Abmahn-Gesetz” soll tatsächlich ein Abmahngesetz sein, dass dafür sorgt, dass Anwälte zukünftig Abmahnschreiben produzieren, mit denen die Empfänger nicht übervorteidie die Empfänger verstehen. Während Webseitenbetreiber einen ganzen Wust von Pflichten zum fairen Umgang mit Kunden zu erfüllen haben, brauchen sich Anwälte bei lt werden. Anwälte mahnen geringste Verstösse in AGBs mit Schreiben ab, die selbst keinerlei Qualitätskontrolle standhalten würden. Ich verspreche mir von einem Abmahngesetz, dass es zu weniger Abmahnungen insgesamt, und vor allem zu weniger missbräuchlichen Abmahnungen führt.

    Obwohl ich auch für eine deutliche Stärkung der Meinungsfreiheit bin, sehe ich dafür derzeit keine Mehrheit. Für die Stärkung der Meinungsfreiheit zu Lasten des Persönlichkeitsrechtes sehe ich derzeit keine Mehrheit. Gäbe es ein Gesetz zur Regelung des Spannungsfeldes zwischen Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht, könnte darin die Meinungsfreiheit gestärkt werden.

  4. Arno Y sprach

    Freiheitsrechte helfen nicht, wenn sie nicht absolut sind. Ein Recht “jeder kann sagen und schreiben will, ohne dafür vom Staat zur Rechenschaft gezogen zu werden” wäre absolut. Jede Klage aufgrund einer irgendwo getroffenen Aussage würde direkt abgewiesen werden.

    Aber schwammige Dinge wie “Persönlichkeitsrecht” und “öffentliches Interesse” können nur vor Gericht abgewogen werden. Das bedeutet nicht nur, dass die Partei mit ausreichend grossem Anwaltsbudget mit wenig Aufwand der anderen Partei einen Haufen Ärger, inklusive damit verbundener Kosten, verursachen kann. Es hat auch eine ständige Rechtsunsicherheit zur Folge. Denn bei Auslegungssachen weiss man es halt nie so genau. Mit dem Resultat, dass Menschen und Firmen ohne ausreichendes Anwaltsbudget eher auf Nummer sicher gehen und sich nicht zu nah an die Grenze des Illegalen wagen. Wer dagegen genug Geld hat, der muss nicht lange darüber nachdenken.

    Beim “Anti-Abmahn-Gesetz” haben Sie schön die gut-gemeinte Intention beschrieben. Aber wie jedes Gesetz hat es auch wieder ungewollte Nebenwirkungen. In diesem Fall könnte eine davon sein, dass die erste Abmahnung eine finanzielle Belastung für den Urheber wird. Wenn ich zB ein Blog schreibe und ein kommerzieller Anbieter kopiert meine Texte, dann darf ich für die Abmahnung nur 50 EUR verlangen. Ich werde aber kaum einen Rechtsanwalt finden, der mir eine Abmahnung für 50 EUR schreibt, von meiner verbrauchten eigenen Zeit mal ganz abgesehen. Nur wer grosse Mengen von Abmahnungen produziert kann mit diesem geringen Betrag hinkommen. Kurz gesagt: die kleinen verlieren mal wieder.

  5. Marcel Bartels sprach

    @Arno Y
    Absolute Freiheitsrechte sind faschistoider sozialdarwinistischer Unfug. Dieser Ansatz beruht auf dem Recht des Stärkeren und nicht auf der Stärke des Rechts. Gäbe es absolute Freiheitsrechte, könnte beispielsweise ein gemobbter seinen Mobber einfach erschiessen. Das aber kann niemand wollen.

    Auch ein absolutes Freiheitsrecht in Bezug auf Meinungsäußerungen ist Quatsch. Man stelle sich nur mal vor, wie unter Berufung auf dieses absolute Freiheitsrecht jemand Menschenmassen dazu aufruft, jemanden zu ermorden. Wenn diese Mordaufrufe dann regelmässig zum Tode des Betroffenen führen, dann sähe man die Gefahr, die darin liegt.

    Wer weiterdenkt, wird sehen, dass Gerechtigkeit immer etwas mit Abwägungen verschiedener Interessen zu tun hat.

  6. Arno Y sprach

    Ich rede von Meinungsfreiheit, nicht von Mord. Da kann man eine sehr absolute Grenze ziehen: Mord ist klar definiert. Mord ist strafbar. Aber Meinung hat keine solche klare Grenze. Meinung kann manchmal strafbar sein, und manchmal ist sie es nicht.

    Ich bin definitiv für die Legalisierung von Mordaufrufen. Wenn es absolute Meinungsfreiheit gäbe, gäbe es auch friedliche, nicht-staatliche Möglichkeiten um ggf Mordaufrufe zu bestrafen. Da löst der Staat wieder Probleme, die er selbst geschaffen hat.

  7. Marcel Bartels sprach

    Auch bei der Tötung von Menschen gibt es keine ganz klare Grenze. Da gibt es Tötung auf Verlangen, Notwehr, vorbeugende Notwehr zur Abwehr von Terrorgefahr. Ich sehe keine friedlichen, nicht-staatlichen Möglichkeiten, um Mordaufrufe zu bestrafen, die wirklich funktionieren würden.

    Solche Probleme entstehen auch ohne Staat. Wo es keinen Staat gibt, der da für ordnung sorgt, da werden solche Probleme mit dem Faustrecht geregelt.

  8. Harry Sky sprach

    Der Pflegefall.
    Ein Jahr große Koalition und alle beglückwünschen sich. Merkel, Beck, Müntefehring und, nein, aus Bayern kamen keine Gammelfleischbegleittöne, hat Stoiber Angst? Und nach den Harmonietönen dann die gefährliche Warnung: Frühjahr 2007 soll die Pflegeversicherung reformiert werden. Oh Gott, da waren sie nicht in der Lage die Gesundheitsreform Zukunfts sicher zu machen, dann wollen sie uns Bürger im Alter auch noch mit der Pflegeversicherungsreform schocken. Jeder weiß doch, Reformen sind out und Frau Merkel will nur 2 jahre länger regieren wie ihr Ziehvater Kohl. Um mehr geht es doch nicht, warum also die Pflegeversicherungsreform? Hören und lesen kännen wir ihre Worte, doch wir verstehen sie nicht, Frau Merkel und Herr Müntefehring! Sagen sie einfach die Wahrheit, auch wenn es so wehtut, Angie for 18 years, oh god i can`t believe it, thats the blues.
    Harry Sky

  9. pantoffelpunk sprach

    Ich habe Frau Maischberger gestern gesehen. ich weiß gar nicht mehr, was das für ein Thema war, aber sie war mal wieder unheimlich sexy. Schmacht.

  10. Götterspeise sprach

    Depressionen sind sexy

    Bei der Maischberger gab’s am 14. November eine interessante Diskussion rund um das Thema Mobbing. Monika Stoitzner, eine Versicherungsangestellte und ein ehemaliges Mobbingopfer, antwortete auf die Frage, warum sie ihre Aggressionen denn dan…

  11. Mobbing-Gegner Blog sprach

    Mobbing bei Menschen bei Maischberger - Ergänzung

    Guten Tag,

    Hinsichtlich der beiden Herren Kocks und Hölscher vertrete ich die Auffassung, dass die Arbeitsschutzbehörde aufgrund des Opportunitätsprinzips unbedingt tätig werden muss; Frau Maischberger selbst oder auch die Verantwortlichen der ARD

  12. macdet sprach

    nun hat Frau Maischberber eine neue Chance sich reinzuwaschen:

    http://blog.mobbing-gegner.de/index.php?/archives/538-Menschen-bei-Maischberger-Thema-wer-schuetzt-uns-vor-der-Justiz.html

    http://zorro7000.wordpress.com/2008/05/27/mobbing-gegner-maischberger-und-die-tradition/

Autor

Aktionen

Recherche

Neu im Parteibuch Forum

SPD Direkt

Letzte Beiträge (Abo)

SPD Direkt

Archiv

Kalender für: 200611
November 2006
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Literaturtip

Tod im Milliardenspiel

Umfrage beendet

Werbung

Information zu
Internetvictims

Die große Schere

Kapitel

Sonstiges

Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei

Sponsored Links

Neu im Parteibuch Wiki

Dynamische Blogroll

Letzte Kommentare

Gehirnnahrung (Mehr)

Parteifreunde (Mehr)

Polit-Links (Mehr)

International (Mehr)

Juristisches (Mehr)

Newslinks (Mehr)

Lokaltermin (Mehr)

Friends & Family (Mehr)

  • [powered by WordPress.] 18 queries. 0.317 seconds.
    Built dynamically. Top