Da in Deutschland das Grundrecht der Meinungsfreiheit alle Nase lang von Richtern und Anwälten mit Füßen getreten wird, wundert es nicht, dass dieses Buch nicht nur eines der besten Bücher der letzten Jahre ist, sondern auch zu den am heftigsten attackierten Büchern in Deutschland gehört.
Die unglaublichen juristischen Vorgänge um das Buch zu Alfred Freiherr von Oppenheim sind mir bekannt, seitdem Schott’s Blog im letzten Jahr die Zensur in den Beiträgen “Oppenheim lässt Rügemer zensieren” und “Rügemers »Bankier« erneut verboten” ausführlich beschrieben hatte. Meinen Informationen zufolge gab es schon Monate vor Veröffentlichung des Buches, auf die bloße Verlagsankündigung hin, Unterlassungsforderungen und die Ankündigung einer Strafanzeige.
Nach Erscheinen des Buches haben die Bank Oppenheim und die von ihr beauftragte Kanzlei Schertz Bergmann seit Erscheinen von „Der Bankier“ bereits eine Vielzahl von einstweiligen Verfügungen gegen Verlag, Autor und Vorwortverfasser erwirkt.
Um wichtige Fragen soll es da bisher gegangen sein. Gibt es in keiner der Bankfilialen Bankschalter oder doch in einigen? Wurde der ehemalige Kölner Oberstadtdirektor Geschäftsführer in der Bank oder nur in einer Tochtergesellschaft? Galt die Rendite von jährlich 24 Prozent eines Luxemburger Pharmafonds bis 2005 oder nur bis 2001? Ob es bei den Attacken wirklich um wichtige Fragen des Persönlichkeitsrechtes oder vielleicht doch eher den Versuch ging, Buch, Autor und Verlag über Gerichtskosten finanziell unter Druck zusetzen, dazu mag sich jeder selbst seine Gedanken machen. Hans See, Vorsitzender von Business Crime Control und Autor des Vorwortes, hat bei Business Crime Control auch einen Artikel zur Zensur des Buches (pdf, 143kb) veröffentlicht, der seinerseits - natürlich - auch wieder juristisch attackiert wurde und deshalb geschwärzt werden musste. Wer mehr wissen will, findet auch im Artikel von Werner Rügemer “Der Beispringer - Die Methoden des seltsamen Historikers und „Welt“-Redakteurs namens Sven Felix Kellerhoff (pdf, 30kb)” aufschlussreiche Informationen zum Thema.
Morgen findet vor dem LG Berlin am Tegeler Weg 17-21 in dem mir nun schon bestens bekannten Raum I/143 um 11:00h ein weiterer Akt im Drama der juristischen Attacken auf die Pressefreiheit in Deutschland statt. Ich für meinen Teil werde es mir nicht nehmen lassen, die Verhandlung persönlich zu besuchen. Ich finde, die auf Entscheidungen des LG Berlin zwangsweise vorgenommenen Buchschwärzungen sind eine Schande für Deutschland.
Ich hoffe, ich werde morgen nicht der einzige Zuschauer sein. Ich finde es wichtig, den Vorgang der gerichtlichen Zensur durch die Herstellung von Öffentlichkeit kritisch zu begleiten.
Nachtrag: Im Whistleblower-Blog wurde soeben eine gemeinsame Solidaritätserklärung mit Werner Rügemer von verschiedenen Berliner Gruppen, darunter der Donnerstagskreis der Berliner SPD, veröffentlicht.
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Pfui hier gegen Bankdirektoren hetzen nur weil diese Juden sind. Ich finde es immer wieder schade wie hier auf ganz subtile Art und Weise antisemitische Klischées bedient werden.
Hi njus,
Statt vieler Worte folgende Quelle zum Antisemitismus-Vorwurf.
Wer profitiert eigentlich vom häufigen Einsatz der Antisemitismus-Keule? Das ist nicht irgendeine bestimmte Rasse oder Religion, sondern das sind schlicht und ergreifend die Reichen beziehungsweise die Superreichen. Und extremen Reichtum gibt es ganz unabhängig von Religion und Rasse. Also was soll dieser inhaltsleere Vorwurf?
Du solltest deine Aussage überdenken.
@nius
Ich habe die Religion von Alfred Freiherr von Oppenheim gar nicht erwähnt. Und ich glaube auch nicht, dass sie irgendwie wesentlich ist, bei der Frage, ob die Geschichte des Bankers und der Bank publizistisch aufgearbeitet werden sollte.
Ich glaube allerdings, dass Du mit Deinem Vorwurf des Bedienens antisemitischer Klischées ganz gewaltig auf dem Holzweg bist. Andere Banken mussten sich irgendwann auch der Beleuchtung ihrer Geschäfte, und das gilt auch für ihre Geschäfte während der NS-Zeit, stellen. Ich kann nicht erkennen, warum es für Oppenheim eine Ausnahme geben sollte.
Lies doch mal die Stellungnahme von Werner Rügemer zur Rezension von Sven Felix Kellerhoff (pdf, 30kb).
Es geht in dem Buch nicht darum, “gegen einen jüdischen Bankdirektoren zu hetzen”, sondern darum, die Arbeitsweise und Geschichte dieser Bank, die bis in die Gegenwart hinein - man denke nur an den Skandal um die Messehallen in Köln - ethisch sehr fragwürdige Geschäfte macht, näher zu beleuchten. Ich meine, diese Bank sollte betrachtet werden, wie jede andere Bank auch.
Ich habe Rügemer gestern in Hamburg in einer Podiumsdiskussion gesehen. Ich finde es schön das ein Mensch, der so mit Verfahren überzogen es trotzdem fast heiter nimmt. Schade fand ich das in der Podiumsdiskusion der andere Teilnehmer seine linke fundamental Oppositions gegenüber Staat und Kapital ausleben wollte. Ich hätte gerne mehr von Oppenheims unterm Bett erfahren, im Zweifel sind mir konkrete Schweinereien von Kapital und Wirtschaft lieber als ein theoretisch-ideologischer Überbau…
Was ich interessant finde ist, jedesmal wenn ein Thema näher beleuchtet wird, genauer hinterfragt wird und irgendjemand passt dies nicht (und besagter hat keine plausiblen Gegenargumente) wird irgendeine Totschlagkeule ausgepackt, sei es Antisemit, KiPo, Nazi, Kommunist, …
*Richtig* interessant wird es, wenn die Einzelkeulen noch miteinander kombiniert werden
Eine Diskussion, ein simples Nachfragen über ein Gerücht/Tatsache mit “Maul, du Antisemit” ersticken zu wollen, ist für mich von unterirdischem Niveau.
cu
Lobo
Möchte vielleicht noch jemand in die Falle tappen?
Hallo zusammen,
ich finde es pervers, wie jede Kritik an israelischen Politikern oder jüdischen Bankiers sofort mit dem “Antisemitismus-Vorwurf” plattgewalzt wird. Sind denn Angehörige einer bestimmten Glaubensrichtung nur deswegen sakrosankt, weil andere Angehörige der selben Glaubens-Richtung vor 60 Jahren ermordet wurden?
Millionenfacher Mord sollte eine Warnung sein, die Menschenrechte aller - ja, wirklich aller - Menschen zu respektieren. Dazu gehört auch ihr Recht, ihre Meinung frei zu äußern.
Nicht besonders gefällt mir in diesem Zusammenhang aber das Wort “Keule”. Es entstammt dem wortschatz eines Beschwichtigers des Holocaust, der diese Mordtaten irgendwann einmal untr die Decke des Vergessens kehren wollte. Vergessen dürfen wir das aber nie!
ebensowenig dürfen wir die Augen vor Unrecht verschließen, nur weil dessen Urheber sich darauf berufen, “Juden” zu sein. Unrecht muss Unrecht bleiben, egal wer es begeht!
fjh
In Pawlowscher Manier jede Kritik am Antisemitismus mit “Antisemitismuskeule” zu bezeichnen ist typisch für die neue Rechte die ja heute leider wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist (vgl. auch http://blog.jewish-dating.de/06-01-2007/pawlowsche-antisemiten-im-studivz/)
Zu behaupten die Jude hätten an den Arisierungen verdient ist natürlich völliger Nonsense denn die wurden ja von den Nazis enteignet und ermordet, was hier wohl einige Kommentatoren offen leugnen(?), hier geht es ja deutlich NICHT um die Bank sondern um Oppenheim.
Wie kann man denn die heutige Eigentümer dafür verantwortlich machen was nazistische Parteikader mit der Privatbank anstellten?
Zu 8:
Wie kann man denn die heutigen Eigentümer dafür verantwortlich machen, was nazistische Parteikader mit der Privatbank anstellten?
Was diese Bank gegen den Buchautor, den Vorwortschreiber, den Verlag und die Neue Rheinische Zeitung veranstalten, ist schon sehr kritikwürdig und untersuchungswert.
Warum darf man da nicht auch in der Vergangenheit der Akteure rumkratzen?
Wir sind doch alle nicht aus dem Nichts entstanden, auch die heutigen Verantwortlichen der Privatbank Oppenheim.
Wie diese Bank mit ihrer Vergagenheit umgeht, ist bezeichnend.
Warum darf man nicht die Frage stellen, ist es Zufall, dass in Berlin geklagt wird und die Kanzlei Dr. Schertz diese Mandate erhalten hat?
Rein spekulativ kann ich es mir sogar vorstellen, dass die gute Bank überrumpelt wurde von der berüchtigten Abmahnkanzlei.
Verständlich wäre das. Diese Kanzlei kann “Erfolge” vorzeigen.
Da kommt solch ein “häßliches” Buch auf den Markt. Der Oppenheimsohn und vielleicht andere möchten es nicht. Mehr als verständlich.
Zufällig oder nicht zufällig kommt die Kanzlei Dr. Schertz auf den Plan. Welch ein Glück für die Bank. Über die Folgen wird nicht nachgedacht.
Es ist schon interessant zu wissen, ob es auch den Kunden dieser Bank egal ist, was wir aktuell erleben.
Themawechsel:
… was nazistische Parteikader mit der Privatbank anstellten?
Möchte mit dieser Frage hjis alle Mitläufer, Mittäter etc. diktatorischer Regims reinwaschen?
Das wäre einem gesonderten Thread wert.
Wer ist für was verantwortlich?
Heute wird nicht Weniges angestellt gegen Bürgerrechtler der DDR und Gegner der nazistischer Parteilkader von den gleichen Akteuren [nazistischen und DDR-Parteikadern] bzw. deren Nachkommen.
Die Gerichte und die diskutierten Richter sind dabei nicht ganz unbeteiligt.
Alles nach Gesetz und Recht, wie immer.
Ein interessantes Thema.
Die Familie von Oppenheim ist im 19. Jahrhundert zum Christentum konvertiert und evangelisch geworden.
Quelle: http://www.kreuz.net/article.501.html
Die Religion sollte das Letzte sein, was bei der Beurteilung des Geschäftsgebahrens der Bank Oppenheim irgendeine Rolle spielt. Religion ist eine Privatangelegenheit. Korruption ist es hingegen nicht.
Hm… dieses “zensierte” PDF ist ja von einem Spezialisten erstellt worden… zumindest konnte man so in Ruhe Alles “zensierte” lesen, da schwarze Notizfelder, mit einer Acrobat-Vollversion jederzeit entfernt werden können…
Ich bedanke mich für die Art Zensur
http://www.wirtschaftsverbrechen.de/doku/zensur5.pdf