Vor dem Genossen Spitzenkandidaten für die Oberbürgermeisterwahl 2007 in Wiesbaden, Ernst-Ewald Roth, ziehe ich meinen Hut. Sich so für die kleinen Parteien einzusetzen, das hat schon was. Dass nun statt Ernst-Ewald Roth gar kein Kandidat der SPD auf den Wahlzetteln stehen wird, ist angesichts der mutigen PR-Aktion doch fast schon nebensächlich.Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast Du Weihnachten verpennt. (Weihnachtsgedicht aus meinen Kindheitserinnerungen)
Während andere Politiker sich hinterlistig überlegen, wie sie mit möglichst vielen bürokratischen Schikanen Kandidaten kleiner Parteien und parteilose Kandidaten von der Wahlteilnahme oder der Initiierung von Volksentscheiden abhalten können, hat Ernst-Ewald Roth ein mutiges Zeichen für die Chancengleichheit kleinerer Parteien gesetzt, in dem er sich einfach nicht zu der Wahl angemeldet hat, für die er von der SPD mit viel Tam-Tam als Spitzenkandidat nominiert worden war.
Diesen Trick finde ich geradezu revolutionär. Geschickt versteht es der frühere katholische Stadtdekan Ernst-Ewald Roth nun auch noch, die bürokratischen Schikanen gegen die Kleinen im deutschen Wahlrecht national wie international beim ungläubig staunenden Publikum dadurch ins Gespräch zu bringen, dass er einfach behauptet, er sei überrascht und hätte es trotz seiner guten Siegchancen schlicht verpennt vergessen, sich fristgerecht bis Donnerstag 18:00 Uhr zur Wahl anzumelden und obendrein noch den gesamten Parteivorstand von Wiesbaden zurücktreten lässt.
Alle Achtung, Ernst-Ewald Roth!
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Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei


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Unabhängig vom Parteibuch mal wieder die Bestätigung, dass man nur dann Politiker wird, wenn man sogar zu dumm zum Scheißen ist. Nix anständiges gelernt, weder die Uhr noch den Kalender lesen können, aber das Volk regieren wollen …
Dabei bitte nicht vergessen:
Das Volk wählt jedesmal brav genau solche Leute und lässt sich von ihnen freiwillig regieren
Sinkende Wahlbeteiligungen sprechen eine andere Sprache.
@1 Fragt sich immer, was dahinter steht. Vielleicht wollte man auch mal eben die Anmeldung vergessen. Normalerweise gibt die nämlich nicht der Kandidat ab, sondern der Geschäftsführer.
Allerdings ist es auf der anderen Seite typisch: Hessen-Süd, die SPD Linken, in der Tat zum Scheißen zu dämlich.
Aber zum Glück passiert das nicht nur der SPD. Auch dem ehemaligen und ersten “Abrüstungsminister” der DDR Rainer Eppelmann (CDU) ist das schon passiert. Damit hat der er sich den Einzug in den Bundestag vergeigt und das obwohl er schon davor seinen Wahlkreis mehrmals gewonnen hat.
Da fällt mir allerdings eine Gemeinsamkeit auf: In beiden Fällen handelt es sich um Pfaffen, aeh Brüder Gottes. Vielleicht sollte mein.parteibuch.de mal aufklären, ob es sich hierbei um eine verschwörerische Verbindung seitens der Kirche handelt, die freiheitlich demokratische Grundordnung zu unterwandern, in dem Leute aufgestellt werden, die dann ihre Kandidatur nicht warnehmen können…. *gnie*
Herr Eppelmann kam aber wohl über die Landesliste dennoch ‘rein.
Wenn ich in Wiesbaden leben würde und gerne die SPD gewählt hätte, dann fühlte ich mich in meinen Wahlrechten ganz schön betrogen…
Eigentlich würde ich von jemand, der von sich selber behauptet, Mitglied einer Partei zu sein, schon die Grundkenntis erwarten, dass (abgesehen vom Sonderfall von Einzelbewerbern) die Wahlunterlagen immer von der Partei eingereicht werden. Alleine weil (je nach Wahl) dazu Unterlagen der Partei wie Protokoll der Wahlversammlung, eidesstattliche Versicherungen etc. gehören.
Es ist also hanebüchener Unsinn, dass Roth geschlampt und damit den SPD-Vorstand zum Rücktritt gezwungen habe. Vielmehr hat der Wiesbadener SPD-Vorstand die Verantwortung für das Versagen der eigenen Mitarbeiter übernommen, wie er auch selber auf einer Pressekonferenz erklärt hat, was du mit Leichtigkeit diversen Presseveröffentlichungen hättest entnehmen können.
Tatsächlich hätte nun Roth alles Recht der Welt, “Wer hat uns verraten — Sozialdemokraten”-Gesänge anzustimmen, denn immerhin hat er für diese Schnarchnasen seinen Beruf aufgegeben.
Ganz schön blöd von den hauptamtlichen SPD-Funktionären!
Vielleicht hat es aber auch sein Gutes, und ein Linker hat bessere Chancen bei der Wahl! Ob die SPD es fertig bringen würde über ihren Schatten zu springen und für die Linke bei der Wiesbadener Kommunalwahl zu werben?!
Mein Blog: http://homberger-stoerenfried.blog.de
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Angeblich gibt es in Wiesbaden keinen hauptamtlichen Geschäftsführer. Den soll es - laut einem Zeitungsbericht (Wiesbadener Kurier?) - nicht mehr geben, weil der Vorsitzende (der jetzt zurückgetreten ist) das nicht wollte…
Zum Fall Roth hier kann man sagen Schuster bleib bei deinen Leisten. Kein echter Wäller !
So einfach geht das nicht.
Du hast da jemanden (Roth), der als Politiker nach der Wahl einen ganzen Verwaltungsapparat im Griff haben muss. Von so jemandem sollte man erwarten können, dass er im Minimum die korrekte Abwicklung seiner Kandidatur, einen Verwaltungsakt, sagen wir mal “interessiert beobachtet”. So eine Art Arbeitsprobe. Bei selbiger Arbeitsprobe hat er peinlich versagt. Wer nicht in der Lage, ist einen für sich selbst extrem wichtigen Termin zu kennen (notfalls zu erfragen) und die Einhaltung vorgegebener Verwaltungsregelungen in einem persönlich wichtigen Fall zu kontrollieren ist ein Versager.
Gleiches gilt für die Geschäftsstelle und den Vorstand. Wenn man davon ausgeht, dass ein SPD-Bürgermeister dafür gesorgt hätte, dass Mitarbeiter der SPD-Geschäftsstelle und Vorstandsmitglieder in der Stadtverwaltung unterkommen (als verdiente Mitarbeiter/Parteisoldaten “in die Versorgung gehen”, wie diese Pöstchenvergabe gerne genannt wird), dann muss man froh sein, dass dies jetzt nicht geschieht. In jeder halbwegs anständigen Geschäftsstelle wird ein Terminbuch (normalerweise in Verbindung mit der Wiedervorlage) geführt. Das ist kleines Verwaltungs-1×1. Jene Geschäftsstellenmitarbeiter waren dazu offensichtlich nicht in der Lage und jener Vorstand konnte seine Geschäftsstelle nicht richtig beaufsichtigen und organisieren. Sowas gehört in keine Verwaltung.
Es gibt den bösen Spruch “Wer nichts wird wird Wirt!”. Ich glaube der Spruch ist falsch. Wer nichts wird wird Politiker.
Ist es nicht so, dass jeder Wähler auch einen anderen Namen auf den Wahlzettel schreiben kann? Somit könnte Roth doch noch gewählt werden. DAS wäre ein echter Wahlsieg.
@12
Dieses von dir geforderte “interessierte Begleiten” der korrekten Wahlanmeldung durch den Kandidaten habe ich in meinem Kreisverband in den letzten 20 Jahren nicht erlebt und bleibe dabei, dass es auch nicht Aufgabe des Kandidaten ist. Wofür sollten denn Parteiapparate da sein, wenn nicht für die Erledigung solcher Dinge.
Dass solche uninteressierten Politiker deinen Ansprüchen nicht genügen, betrübt mich zutiefst. Ich wäre hocherfreut, wenn solch ein hochintelligenter, jederzeit den absoluten Durchblick habenden Mensch wie du, der gleichzeitig noch ausgesprochener Verwaltungsfachmann ist, ganz schnell in die Politik geht, am Besten direkt als Bundeskanzler, dann würde mal richtig aufgeräumt.
@ 14 Klaus, der Haken ist ja, dass Harald von Parteien nicht viel hält, und damit seine Chance, überhaupt als Bewerber aufs Kanzleramt in Frage zu kommen, gleich Null ist.
@ 12 Harald, frag mal den Weserwelle, der weiß wie das ist, wenn man als Kanzlerkandidat von ZDF und ARD “diskriminiert” wird und auch beim Bundesverfassungsgericht allenfalls ein müdes Lächeln erntet.
Also Marcel, das ist ja himmelschreindster Unfug. Zum einen ist Roth kein Genosse. Er ist bei keiner Partei Mitglied. Und schon allein deshalb kann er sich überhaupt als Kandidat nicht für die SPD anmelden. Das ist - wie oben bereits erwähnt - Aufgabe der Parteigremien. Wieder mal ein Juwel aus der masse peinlicher Postings.
@Klaus #7, FG #16
Lest euch meinen Artikel noch mal durch. Wer darin satirische Elemente wie Ironie oder Zynismus findet, darf sie behalten. Zu den Hintergründen, wie es tatsächlich passiert ist, dass die Kandidatur verschlampt wurde, weiss ich nicht mehr als die Zeitungen. Sie täten mich allerdings schon interessieren.
Ich weiß nicht, ob es sich um eine Intrige oder Schlampigkeit - oder eine Mischung aus beidem - gehandelt hat. Wenn ihr mehr wisst, oder hier ein Insider aus Wiesbaden mitliest, nur zu…
Das war Schlamperei und nix anderes. Wer mitbekommen hat, wie froh die ganze Wiesbadener Genossenschaft - der letztendlich verantwortliche Vorsitzende vorne weg - im letzten Mai war als ein wirklich aussichtsreicher Kandidat gefunden war, da kann ich mir nicht vorstellen, dass das die Veranwortlichen das absichtlich vergessen haben.
Und nein: Ironie kann ich wirklich nicht entdecken. Wenn es so gemeint gewesen sein sollte: üben!
@Marcel #17
Ach so, und ich ging grob fälschlicher Weise davon aus, dass die Ironie des Artikels in der Spekulation lag, dass Roth in Wirklichkeit die Kandidaten der kleinen Parteien unterstützen wollte und nur behauptet, dass er den Termin verpennt habe.
Statt dessen bestand also die Ironie darin, zu behaupten, dass Roth die kleinen Parteien unterstützen wollte und Schlamperei nur vorschiebt, wo es doch in Wirklichkeit die Wiesbadener SPD war, die die kleinen Parteien unterstützen wollte und die Schlamperei nur vorschiebt?
Finde ich sofort total glaubwürdig und kann vor dieser … äh … solch subtilen Ironie nur den Hut ziehen.
Und bezüglich der Spekulation über andere Hintergründe fällt mir völlig zusammenhanglos und zufällig das Zitat “Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss.” ein.
@Klaus
Spielt das irgendeine Rolle für das beeindruckende Gesamtergebnis, wer welchen Anteil am Verschlampen der Kandidatur hatte? Am Ende war’s vermutlich der Gärtner. Das ist in Krimis auch immer so.
Dazu, wie dieses beeindruckende Gesamtergebnis wirklich genau zustande gekommen ist, kann ich nur spekulieren. Intrigen sind in allen politischen Parteien an der Tagesordnung, scheiden deshalb meiner Meinung nach als Möglichkeit nicht per se aus.
@Marcel
Für das Gesamtergebnis, dass es keinen SPD-Kandidaten gibt, spielt es im Endeffekt keine große Rolle, wer es den nun war.
Für die Beurteilung der Sorgfalt deiner Berichte, deiner Glaubwürdigkeit und der Selektivität deiner Wahrnehmung spielt die Frage, ob es einen nachvollziehbaren Beleg dafür gibt, dass du in deiner Darstellung, wen die Schuld am Verschlampen trifft, zu einem diametral anderen Ergebnis kommst als alle anderen mir bekannten Darstellungen (von denen einige sogar in deinem Eintrag verlinkt sind) kommst, spielt es durchaus eine Rolle.
@Klaus
>Beurteilung der Sorgfalt deiner Berichte, deiner Glaubwürdigkeit
>und der Selektivität
Den Anspruch, in satirischen Beiträgen vertiefte Wahrheitsfindung zu betreiben, habe ich nicht.
Die wesentliche Nachricht ist: da schau mal hin. Einen satirischen Beitrag sehe ich nicht als Feststellung “So war’s wirklich”, sondern eher als Diskussionsgrundlage: “Was war denn da los?”
Meist ergeben Links und die klugen Kommentare, also solche wie Deine, im Blog dann trotzdem ein besseres Bild von der Wirklichkeit als es Zeitungen üblicherweise vermitteln können.
Ich werde in der Tat nicht Politiker. Ich habe was anständiges gelernt und keine Lust mich durch eine Kombination aus Intrigen und Schwanzlutschen in einer Parteihierarchie bis zum Amt hochzuschleimen. Völlig unabhängig von der Partei.
Das in einem Kreisverband in den letzten 20 Jahren kein Interesse der Kandidaten für die formal korrekte Abwicklung der eigenen Kandidatur gesehen wurde bedeutet nur, dass die Kandidaten in diesem Kreisverband in den letzten 20 Jahren auch nicht gerade große Leuchten waren. Geil auf den Titel und die macht, aber keinen Bock sich zu kümmern.