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1. Januar 2006

Sozialgericht Bremen nutzt innovativstes Guerilla-Marketing

von @ 18:29. abgelegt unter Recht und Unrecht, Informationszeitalter

Während beim Sozialgericht Berlin wegen Hartz IV Hochbetrieb herrscht, weil da offensichtlich ausgebadet werden muß, dass die Berliner Jobcenter im Zweifel wohl alles ablehnen, was irgendwie abzulehnen geht und dadurch Geld sparen, dass nicht jeder die ihm zustehenden Leistungen auch einklagt, scheint das Sozialgericht Bremen viel Zeit zu haben, weil Hartz IV in Bremen gut funktioniert.

Shopblogger Björn Harste berichtet über eine trickreiche Marketingmaßnahme des Sozialgerichts Bremen, wie es versucht hat, sich bei Bloggern anzubiedern und so die SERP des vor kurzem geänderten URI zur eigenen Webseite für die Schlüsselphrase “Sozialgericht Bremen” zu verbessern. Der Trick des Bremer Sozialgerichts zur SEO bestand darin, Shopblogger Björn Harste einen Brief zu schreiben, in dem ihm rechtliche Schritte angedroht werden für den Fall, dass er seinen Blogbeitrag mit Titel “Sozialgericht Bremen” nicht umbenennt, weil damit Namesrechte des Sozialgerichts Bremen nach §12 BGB verletzt würden.

Und wenn auf den Seiten, mit denen das Sozialgericht Bremen bisher unter der Keyphrase, etwas anderes stünde als

Die URL dieser Seite hat sich geändert: http://www.bremen.de/sixcms/list.php?
page=01_visitenkarte_p&sv%5bold_id%5d=117761.

und

Auf dieser Seite können Sie bremen.online durchsuchen. Diese Seite kann nur mit einem Frame-fähigen Browser angesehen werden.

, dann wäre der Witz der derzeitigen Marketingmaßnahme zur SEO sicher nur halb so komisch.

Das Sozialgericht Bremen begründet die Verletzung des Namensrechtes damit, dass die Seite vom Shopblogger bei Eingabe der Keyphrase “Sozialgericht Bremen” bei Google unter den ersten 10 Positionen erscheint und beim Seitenaufbau der Titel Sozialgericht Bremen als erstes sichtbar sei. Die Aufforderung zur Unterlassung der Namensnennung unter Hinweis auf die Google Positionierung erinnert mich stark an die Klage von Wilhelm Entenmann gegen mich und Mein Parteibuch, der auch verlangt, dass ich seinen Namen nicht nennen darf.

Das war ganz schön clever vo m Sozialgericht Bremen, denn weil der Bremer Senat sparen muß, und wohl deshalb im Etat von Bürgermeister und Justizsenator Jens Böhrnsen (SPD) zwar die Möglichkeit besteht, eine Klage wegen Verletzung von Namensrechten gegen Björn Harste anzustrengen, aber kein Budget vorhanden zu sein scheint, um die Summe von ca. einem Euro monatlich für die bisher noch nicht registrierte merkende Domain sozialgericht-bremen.de auszugeben und stattdessen die aussagekräftige URI http://www.bremen.de/sixcms/list.php?page=01_visitenkarte_p&sv%5bold_id%5d=117761 als Webadresse vom Sozialgericht Bremen verwendet wird.

Besonders clever finde ich die Marketingmaßnahme des Sozialgerichts Bremen auch deshalb, weil so das Sozialgericht Bremen als Sympathieträger im Gespräch bleibt. Man stelle sich mal vor, das Sozialgericht Bremen hätte wehrlose Unternehmen wie Google wegen der Vergabe einer besseren Position oder Microsoft für einen besseren Seitenaufbau im Browser “Internet Explorer” mit einer Klagen gedroht. Da hätte das Sozialgericht Bremen sicher gleich alle Sypathien in der Blogsphäre verspielt. Durch den geschickten Schachzug aber, den Global Player shopblogger.de mit einer Klage wegen Schreiben der Worte “Sozialgericht Bremen” zu bedrohen, ist das Sozialgericht Bremen schlagartig zu einem Sympathieträger in der Blgosphäre geworden, dass dem Landgericht Hamburg als sympatischstem Gericht Deutschlands bald den Rang ablaufen könnte.

Sympathiebekundungen der Blogosphäre für die SEO Offensive des Sozialgerichts Bremen finden sich zum Beispiel bei Golem, Webmaster Blog, Michael Fuchs, Thomas Hühn, Leyla Levis, Udo Vetter im Lawblog, Jens Florian, Marco Hinniger, BloggingTom, Lernziel, ISCP Suchmaschinen-Blog, depressio, Treehuggin’ pussy, Nico Lumma, Compyblog, Michael, S-O-S SEO Blog und vielen, vielen mehr.

Die Direktorin des Bremer SozialgerichtsRenate Holst (Foto), die das Schreiben wohl stolz selbst gezeichnet hat, möchte ich hiermit für den noch zu schaffenden Preis für das innovativste Guerilla-Marketing 2005 nominieren.

4 Kommentare zum Beitrag “Sozialgericht Bremen nutzt innovativstes Guerilla-Marketing”

  1. Sozialgericht Bremen - Aufruf zur Solidarität mit Shopblogger sprach

    […] Weitere Blogs, die den Shopblogger unterstützen: - Sozialgericht Bremen: Amstanmaßung wegen Googlepositionierung. - Sprachlos: Sozialgericht verklagt Shopblogger wegen Blogbeitrag - Sozialgericht Bremen gegen perfiden Anmaßer - Wenn der Amtsschimmel zweimal wiehert - Alberne Beamterei - “Sozialgericht Bremen” - oder “Wehe dem, den Google liebt” - Sozialgericht Bremen - Leute gibts - Sozialgericht Bremen macht trickreiche SEO - Sozialgericht Bremen (eine Satire) - Sozialgericht Bremen - Sozialgericht Bremen vs. Shopblogger - SOZIALGERICHT BREMEN - Hoffentlich ist es ein Fake. - § 12 BGB und das Sozialgericht Bremen - Sozialgericht Bremen - ticken nicht richtig? - Das Sozialgericht Bremen erklärt das WWW - Deutschland bloggt - fischkopfgericht - Im Sozialgericht Bremen gabs wohl kürzlich nen Internetkurs - Alberne Beamterei - Das Sozialgericht Bremen macht Blödsinn - Vorsicht ist geboten - Blogs mit merkwürdigen Markenproblemen - Verbockt… - Sozialgericht Bremen, Klum und Co. - Hiebe für Bremer Behörde und sonstige Stars - Internet und Abmahnwahnsinn - Post vom Sozialgericht Bremen - online-recht und blogs […]

  2. MaxR sprach

    Ein ähnlicher Fall findet sich im Lawblog von Udo Vetter:
    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2006/01/02/die-seuche/
    Aber der wird schon geradezu lustig.

  3. Webmaster & SEO Blog sprach

    Shopblogger vs. Sozialgericht Bremen

    Ein neuer SEO-Wettbewerb: Shopblogger vs. Sozialgericht Bremen.

    Wie lächerlich es auch klingt, Björn von Shopblogger bekam eine Abmarnung vom Sozialgericht Bremen, weil er bei dem Keyword “Sozialgericht Bremen” in den Top 10 steht. Ih…

  4. Mein Parteibuch » Google hat BMW gekickt sprach

    […] Richtig so. Google bleibt sich treu. Ich frage mich, wieso bei BMW keiner auf die Idee gekommen ist, mal beim Sozialgericht Bremen nachzufragen, wie Low-Budget-Marketing im Informationszeitalter funktioniert. Ansonsten hat BMW sicher genug Geld für reichlich Keyword Werbung. Ich helfe BMW gerne mit Werbeplatz aus. [Trackback URI]    [Permalink] […]

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