Kurz nachdem ich den Anruf von der selbstbewußten und freundlichen Bianca bekommen habe, kam dann schon wieder ein Anruf.
Der Anrufer hatte einen rheinischen Akzent und stellte sich vor als ein Herr Hoffmann aus Köln. Zuallererst fragte er mich, ob ich ein an der Waffel hätte. Dann fragte er mich, wie das denn sei, mit der Verbindung von Horst Köhler zu Scientology. Welche Verbindung? Achso, die Geschichte mit dem schlechten Beitrag über eine mögliche Verbindung zwischen Angela Merkel und Scientology. Wie er denn drauf komme und wer er sei. Er sei Journalist. Ja, wo er den Artikel denn finden könnte. Auf meiner Webseite, wird ja nicht so schwer sein, haben andere ja auch gefunden. Dann habe ich dem armen Herrn, schon über 50 sei er, hat er gesagt, zu dem schlechten Artikel geführt. Ja, die Geschichte mit dem schlechten Artikel, wo es über zwei Links und drei Ecken eine Verbindung von Angela Merkel zu Scientology gibt. Ich habe ihm erläutert, dass ich einen Artikel zu Angela Merkel und Scientology geschrieben habe, der sehr schlecht war. Und weil er so schlecht war, habe ich ihn auch gründlich abgeändert. Warum ich das geschrieben habe, und ob ich meine, dass das Kunst sei, fragte der Herr Hoffmann allerdings nicht. Nun ja, ich denke, das können wir auch noch offen lassen für die Zeit, nachdem über den abstrusen Artikel in den Massenmedien berichtet wurde. Die Verbindung von Angela Merkel zu Scientology bestehe über zwei Links und drei Ecken und deshalb ist die Verbindung also wirklich sehr weit hergeholt. Damit meinte ich, dass in einer Welt, wo fast alles zwei Mausklicks entfernt ist, das wirklich sehr weit ist. Ich erklärte dem Herrn Hoffmann noch, dass ich inzwischen herausgefunden habe, dass es ungefähr so wahrscheinlich ist, dass eine Verbindung von Angela Merkel zu Scientology gibt, wie das George W. Bush in Wahrheit ein Marsmännchen ist. Naja, darüber haben ja andere auch schon geschrieben.
Ich habe den Herrn Hoffmann auf meine beliebteste Seite hier aufmerksam gemacht, die Strafanzeige gegen die Firma Branchenklick und auf die meiner Ansicht nach wichtigste Seite, die Seite über Freiheit und Ehre ist, für die Freiheit meiner Schwester zu kämpfen. Aber nein, der Herr Hoffmann, der interessierte sich viel mehr für den Horst Köhler. Nein, zu Köhler sehe ich keine andere Beziehung zu Angela Merkel als dass Angela Merkel sich für ihn als Bundespräsident eingesetzt hat.
Für welche Zeitung er denn schreibe. Mal so - mal so, er schreibe auch gar keine Artikel, sondern mache nur die Recherche. Er sei aber freier Journalist. Ach so, jetzt habe ich mächtig Respekt. Nachher ist der Herr Hoffmann noch Mitglied in einem Rabattclub für Schreiberlinge. Herr Hoffmann erzählte mir lang und breit, wie schlecht doch alles wär, die Politik, die Journaillie, also Journalisten ganz besonders, er wär da mal beim WDR zu Gast gewesen, was die sich da alles einpfeifen, einfach unglaublich.
Ich habe ihn nochmal gefragt, ob er beim Express ist, er nee, dass wären ja auch ganz fiese, so Superreiche, wenn man Kölner ist, dann kennt man die ja. Und immer mehr wollte er über mich wissen, so als ob er meine Webseite nicht lesen könne oder keine Lust habe, lange zu suchen. Herr Hoffmann fragte weiter, wie alt ich sei (36J), ob ich studiert habe (Wi-Ing), welchen Beruf ich ausübe (keinen - zuletzt beschäftigt bei Telesens in Köln), wovon ich lebe (nicht von Hartz IV) - nun, bitte schön. Eigentlich hätte er da ja auch meine Webseite lesen können, aber nun gut, er ist ja Journalist, da kann man ja nicht die ganze Zeit mit lesen zubringen. Herr Hoffmann meinte noch, ich brauche jetzt bestimmt einen Anwalt, da ich ja nun eine Person der Zeitgeschichte sei. Super, kaum habe ich ein Internettagebuch mit Katzenbildern und schon bin ich eine Person der Zeitgeschichte. Wußte gar nicht, dass das so einfach geht. Da steh ich nun in einer Reihe mit so Berühmtheiten? Sein Neffe oder so hätte auch Jura in Berlin studiert, weil er gegen dieses schlechte System antreten wollte, davor hätte er Respekt.
Zum Schluß fragte ich ihn noch nach seiner Telefonnummer, die er aber “aus taktischen Gründen” nicht nennen wollte und fragte ihn, ob denn ein Artikel über mich erscheine, was Herr Hoffmann jedoch strikt verneinte. Hm, nicht mal ein Artikel? Und dafür mußte ich mir kübelweise Wörter über das herrschende System anhören, die ich eigentlich lieber auf der Toilette gelassen hätte? Oder gibt es vielleicht doch einen netten Artikel? Aber dann hätte der nette Herr Hoffmann mit der groben Ausdrucksweise von der Toiltette mich ja angeschwindelt? Oh je, ich mag mir gar nicht vorstellen, dass nun womöglich eimerweise Mist über Mein Parteibuch und mich ausgekippt wird? Ich hoffe bloß, dass mir niemand den Bundespräsidenten Horst Köhler schlecht macht. Das hat er wirklich nicht verdient und ich bin der letzte, der das will. Was mach ich denn jetzt bloß, wo ich nicht mal die Telefonnummer von dem Herrn Hoffmann habe?
Also, bevor jetzt Mißverständnisse aufkommen, liebe Paragraphenreiter, diesen Beitrag verstehe ich genauso als eine freie schöpferische Gestaltung, in der ich meine Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse durch das Medium der direkten Gehirnspeicherwiedergabe zur unmittelbaren Anschauung gebracht habe, wie den Rest dieser Webseite auch. Ich will gar nicht behaupten, dass das Telefongespräch genau so gewesen ist, aber so habe ich es in meinem Gedächtnis abgespeichert.
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Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei


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[…] Nicht mal der Kölner Rabattclub-Journalist mit der Sprache aus der Toilette aber ohne Rückrufnummer, Herr Hoffmann, der mich gestern angerufen hat um, wie es mir vorgekommen ist, nach einer Möglichkeit zu suchen, irgendwie die Worte “Horst Köhler“ und “Scientology“ in einen Artikel packen zu können, hat sich getraut, einen Artikel über Mein Parteibuch in der Blöd-Zeitung zu veröffentlichen. […]
[…] Und die Anmerkung im Beitrag, ich sei beschäftigungslos, die scheint doch von dem Journalisten Hoffmann mit der Sprache aus der Toilette zu kommen. Hast Du solche Kumpels, Achim? […]